Das Museum für angewandte Kunst umspannt das
gesamte Spektrum der europäischen Kunstgeschichte von ägyptisch-koptischen
verzierten Gürteln und Taschen und spätromanischen Buchfutteralen
über die Gotik mit einer bedeutenden Sammlung von Minne-kästchen,
reich verzierten Prunkwaffen und Mobiliar der Renaissance bis zu den
erlesensten Produkten der Handwerkskunst an den adeligen Höfen
und in den bürgerlichen Häusern des 17. bis 19. Jahrhunderts.
Die Besucher bewundern immer wieder die hohe hand-werkliche Qualität
der handvergoldeten, geprägten und bemalten Kabinettschränkchen,
Reliquienkästen und Tapeten, die feinen Verzierungen der Taschen,
Sättel, Gürtel und Kleidungsstücke aus Leder, die aufwendig
geschmückten und verarbeiteten Bucheinbände Europas und des
Orients und natürlich die Highlights: das größte heute
bekannte "Einhorn" mit einem seinem damaligen enormen Wert
entsprechenden rotledernen, vergoldeten Futteral, die Aktentasche Kaiser
Napoleons I. von Frankreich oder das franko-flämische Minnekästchen
"Die schlafende Ritterlichkeit", aus der 2. Hälfte des
14. Jahrhunderts, zu dem es vergleichbare Stücke nur in Paris und
New York gibt und und und...
Ein immer wieder besonders aufmerksam verfolgtes Sammlungsgebiet ist
das internationale Taschen- und Schuh-Design des 20. und 21. Jahrhunderts.
Bei aller Weltoffenheit vergessen die Museumsleute nicht den regionalen
Ursprung ihres Museums, nämlich die Lederstadt Offenbach und die
vielen kleinen Betriebe, deren Inhaber und Mitarbeiter man liebevoll-ironisch
als "Babbscher" bezeichnet.
Frei vom Zunftzwang konnten Schatullen, Portefeuilles und Börsen
seit dem späten 18. Jahrhundert nun auch mit unkomplizierten Klebetechniken
und von angelernten Arbeits-kräften hergestellt werden statt ausschließlich
genäht zu werden (pappen = kleben).
Aus bescheidenen Werkstätten der Heimindustrie entwickelten sich
großen Fabriken für exklusive Taschen, Koffer und jede Art
von Etuis mit einem weltweiten Absatz, die teilweise in eigenen Ladenketten
unter dem Label "Offenbacher Lederwaren" vermarktet wurden.
Einige der Produkte dieser heutzutage fast vollständig ins Ausland
verlagerten Erwerbs-zweigs zeigt das DLM in einer eigenen Abteilung
unter dem Titel "Vom Handwerk zur Industrie". |