Der Designer hatte durch seinen Vater, Verkaufsleiter einer Schuhfabrik in Nijmegen, schon in frühen Jahren Kontakt zu Schuhen, bevor er 1962 während einer intensiven Zeit in Rom die Fertigung handgenähter Schuhe von der Pike auf erlernte, was auf Dauer seinen Qualitätsanspruch bestimmen sollte. Zurück in Amsterdam, gründete er 1963 sein eigenes "haute chaussure"-Atelier "Jeannot", das die Amsterdamer Avantgarde belieferte, während er gleichzeitig Entwürfe für Dior und Carel machte. Große Aufmerksamkeit verschaffte ihm der Fotograf Paul Huf mit einem Auftritt in dessen profilierter Werbekampagne "Handwerkerschaft ist Meisterschaft" (Vakmanschap is Meesterschap), wo er stellvertretend für die ganze Zunft auf Plakaten mit seinem Können warb. Seit 1965 erscheinen seine industriell produzierten Designs regelmäßig in holländischen Wirtschafts- und Modejournalen, und nur kurze Zeit später auch in französischen Modemagazinen.

1968 zeigte Jansen mit den "Woodies", Clogs aus buntem Oberleder, das mit Nägeln an der hölzernen Plateausohle befestigt wurde, seinen unkonventionellen Umgang mit traditionellen Schuhformen. Den internationalen Erfolg zelebrierte die holländische Herstellerfirma Arthé dann 1975 mit dem "Golden clog" für den Verkauf von 100.000 Paaren. Mit den Tantiemen konnte Jan Jansen endlich seinen "Bambus-Schuh" produzieren, eine offene Brücken-Konstruktion aus Rattan, deren Vorstellung 1973 auf der "Semaine du Cuir" in Paris ihm übernacht die Reputation als innovativer und origineller Designer und unzählige freiberufliche Aufträge einbrachte, allen voran bei Charles Jourdan. Weitere Entwürfe dieser Zeit zeigen Jansens Gespür für zeitgenössische Trends, wie etwa der hochhackige Sneaker (1977), der sich in den USA eine Million Mal verkaufte. Extravagante Stöckelschuhe und Stiefel mit Plateausohle, in Veloursleder und glänzenden Materialien, ergänzten perfekt die Haute Couture des sino-holländischen Designers Fong Leng, mit dem er von 1974 bis 1980 eng kooperierte.

Viele Versatzstücke aus Jansens Schuhen sind im Laufe der Zeit zu Trendsettern geworden, doch "Zippy", der minimalistische Entwurf einer Herrenstiefelette mit asymmetrischem Reissverschluss von 1979, den Jan Jansen selbst in kleiner Zahl produzierte, wurde zum meistrezipierten seiner Modelle. "Bruno", ein scheinbar flacher unisex Schuh mit innenliegendem Keil, wurde international kopiert und blieb in Jansens Kollektion in gewagten Farben ein erfolgreicher Artikel. Daneben gestaltete Jansen einige Klassiker der Herrenschuhmode neu, etwa den Brogue mit Dalmatiner- oder Geparden-Druck und abnehmbarer Gamasche, im Materialmix mit Lack- und Glattleder, und verlieh ihnen damit einen brandaktuellen neuen Look. In der Damenschuhmode setzte ein "absatzloses" Modell einen Meilenstein in der Schuh-Entwicklung: Jansens "Freischwinger"-Absatz von 1989 wohnt sowohl aus technischer als auch aus ästhetischer Sicht Pioniergeist inne. Als Tasche hat er ihn selbst (ironisch ?) zum koketten Symbol erhoben. Ein Thema zieht sich seit den Anfängen durch Jansens Schaffen, immer wieder neu variiert: das aufgelöste, fast schwerelose Plateau, das er mit Bugholzkonstruktionen und Plexiglasschleifen erreicht, auf denen der Fuß bequem wippen kann.

Jansens Leistungen mit eigenen Kollektionen sowie als Freelance-Designer, unter anderem für amerikanische Kunden, wurden 1984 von der Stadt Amsterdam mit dem "Kho-Liang-le Industrie-Design-Preis" honoriert, 1989 erhielt er den "Emmy-van-Leersum-Preis" für seine einzigartige Fähigkeit, Herausragendes kreiert zu haben in einer Zeit, deren Mode durch Uniformität und wahllose Nachahmung charakterisiert war. In diesem Jahr spielte er einmal mehr die Rolle des Trendsetters, als turmhohe Plateausohlen eine Renaissance in seinen Kollektionen erfuhren, die sich erst drei Jahre später als allgemein tragfähig durchsetzten.

Während eines Auftrages für einen Hersteller orthopädischer Fußbekleidung fand Jansen 1990 und 1991 die Inspirationen zu seiner "Linea erotica", die sich hervorragend mit dem "lingerie look" der zeitgenössischen Mode paarte. Die skulpturalen Effekte, die in seiner Arbeit seit den 60ern spürbar waren, nahmen nun einen stärker sinnlichen Charakter an, den er auch in symbolträchtigen Objekten wie den hochhackigen Kinderpumps in herzförmiger Geschenkbox mit Spiegel ausspielte. Rotgepolsterte Lippenformen, goldpaspelierte Schäfte und herzförmige Kappen kennzeichnen als Versatzstücke diese Linie. Konträr dazu inspirierte das schillernde Image, das dem Sport mehr und mehr zufiel, Jansen zur Kreation von Stiefeln und bequemen Schuhen mit aerodynamischen und Disco-Elementen. In den 1990er Jahren entwickelte Jansen verschiedene Absatztypen für Damenschuhe, die uns allen längst vertraut sind, wie etwa den Absatz mit schmaler Seite und breiter Rückfront sowie diverse Keilformen, die fester Bestandteil seiner Kollektionen sind.

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Der Stöckel, der weit nach hinten versetzt ist und senkrecht mit der Fersenlinie verläuft, bestimmt das Modebild bis heute. Die aktuellen Kollektionen beinhalten wie gewöhnlich Überraschungen und zeugen von Jan Jansens ungebrochener Kreativität, etwa ein eleganter Pumps mit unkonventionell weit nach hinten gestelltem Absatz und einer multifunktionale Zunge, die die Trägerin nach Belieben schlingen und biegen kann. Neben den für einen hocherotischen Auftritt garantierenden Acht-Zentimeter-Stöckels fertigt Jansen diese Modelle immer auch mit moderaten Absätzen für den Alltag.

1995 wurde Jan Jansen der renommierte holländische Mode-Preis und Titel "Grand Seigneur" verliehen für seinen Beitrag zur nationalen und internationalen Mode, der ganz aktuell im Juni 2002 von der ARISTON-NORD-WEST-RING mit dem "Oeuvre-Award" in den Niederlanden gewürdigt wurde.

Jan Jansens ungewöhnliche, architektonische und skulpturale Entwürfe sind nicht nur Museumsstücke, sondern auch tragbare Objekte von großer ergonomischer Qualität. Sie entstehen in der Intimität seines eigenen Ateliers oder in einer Ecke einer Fabrik, wo Jan Jansen in Person den Visionen eine Form verleiht, die vor seinem geistigen Auge entstehen, beim Auto fahren, am Esstisch oder beim überqueren einer Straße. Die finale Qualitätskontrolle passieren sie dann an seinen eigenen Füßen oder denen seiner Frau Tonny.

Jansen hat den Schuh begriffen als wichtigstes Accessoire unserer Bekleidung, der mit auffallender Ästhetik reizen darf, dessen Form sich aber der Fußtauglichkeit unterzuordnen hat. So kreiert er gleichermaßen "Fetischobjekte" für den gekonnten Auftritt am Abend wie auch den Ansprüchen von Langstrecken-Läuferinnen genügende Mokkasins. Gemeinsam ist ihnen eins: alle Modelle wirken wie aus einem Guss und lassen Jan Jansens Handschrift untrüglich erkennen.

Dr. Rosita Nenno



Die Ausstellung wurde konzipiert vom Gemeentemuseum in Den Haag, unter Mitwirkung von Jan Jansen und Ietse Meij.

Der von Swip Stolk gestaltete Katalog (Hardcover, 221 S., ganzseitige Hochglanz-Fotos aller Modelle) ist zum Preis von 43,- Euro (zuzüglich Versandkosten) im DLM erhältlich.

Unterstützt durch die Mondriaan Stichting Amsterdam und das DSIms Offenbach.