Außenansicht des Deutschen Ledermuseums 1938 © DLM

Do, 13. Dezember 2018, 18.30 Uhr

„…ein aktiver Förderer des Nationalsozialismus …“ Hugo Eberhardt als Direktor des Deutschen Ledermuseums 1917-1959

Vortrag von Dr. Andreas Hansert

Die Stadt Offenbach hat ein Forschungsprojekt zur Geschichte der Offenbacher Kulturinstitute in der NS-Zeit in Auftrag gegeben. Neben der Kunstgewerbeschule (der heutigen HfG) und der Firma Gebr. Klingspor wird dabei auch das Deutsche Ledermuseum intensiv untersucht. Von zentraler Bedeutung ist der Gründer und Direktor des Museums, Hugo Eberhardt (1874-1959), der jahrzehntelang auch die Offenbacher Kunstgewerbeschule geleitet hat. Um die beiden von ihm geführten Institute vorwärts zu bringen, kooperierte Eberhardt ohne Bedenken und intensiv mit den NS-Behörden, allen voran mit Gauleiter Jakob Sprenger. Demonstrativ stellte er seine Häuser in den Dienst des NS-Staates. Sein Verhältnis zur NSDAP, der er 1941 auch selbst beitrat, blieb dabei ambivalent. Aus Offenbacher Emigrantenkreisen, wo man das Geschehen aufmerksam beobachtet hatte, wurde ihm nach 1945 vorgeworfen, „ein aktiver Förderer des Nationalsozialismus“ gewesen zu sein. In Offenbach selbst hat es hingegen kaum eine Auseinandersetzung mit den NS-Einlassungen der bürgerlichen Elite in der Stadt gegeben. Eberhardt wurde für seine Verdienste um den Auf- und Ausbau des DLM schon bald mit dem Bundesverdienstkreuz und der Ehrenbürgerwürde bedacht. Der Abend wirft einen kritischen Blick auf die damaligen Vorgänge.

 

Der Autor der Studie und Vortragende des Abends ist Historiker in Frankfurt und hat sich in mehreren Forschungsprojekten mit dem städtischen Bürgertum in der NS-Zeit befasst. Zu diesen und anderen Themen hat er umfangreich publiziert. Die Ergebnisse der Offenbacher Studie werden in Buchform veröffentlicht.

 

Der Eintritt ist frei.